Mit dabei im Einer unser Konrad HULTSCH!

https://www.hrr.co.uk/

Die Henley Royal Regatta ist eine traditionsreiche Ruder-Regatta, die jedes Jahr auf der Themse bei Henley-on-Thames stattfindet. Sie wird immer in der ersten Juliwoche von Mittwoch bis Sonntag ausgetragen und geht über eine Meile und 550 yards (2,112 km). Da die Regattastrecke sehr schmal ist, können nur zwei Boote gegeneinander antreten.

 

Bericht von Konrad und Fotos:  ⇓

Henley Royal Regatta 2026 

Dank der Einladung des Veranstalters an den Österreichischen Ruderverband durfte ich heuer  erstmals bei der Henley Royal Regatta an den Start gehen – der ältesten Ruderregatta der Welt  und einem absoluten Highlight der britischen Sommersaison unter Patronage des

Königshauses. Durch die große Tradition der Regatta bedingt, weicht diese doch in einigen  Punkten von gewöhnlichen Regatten ab: Statt auf einer gewöhnlichen Regattastrecke rudert man auf der Themse mit Gegenströmung, statt 2000m werden eine Meile und 550 Yards (2112m  für uns Kontinentaleuropäer) absolviert, die Rennen finden zwischen zwei Booten und im KO- Modus statt und aufgrund des hohen Aufkommens an Freizeitmotorbooten ist ordentliches  Rudern nur auf der Rennstrecke möglich, da diese auf gesamter Länge dicken Holzbalken von  den Wellen geschützt wird. Bekannt ist die Henley Royal Regatta aber vor allem für den strengen  Dresscode im Regattabereich, dem sogenannten Steward’s Enclosure: Für Männer herrscht hier  Pflicht zu Blazer und Krawatte, während die Kleider der Frauen über die Knie hinab reichen  müssen. Diese Regeln werden auch penibel durchgesetzt. Einmal wagte ich die Toilette mit noch nicht vollständig angezogenem Blazer zu verlassen – innerhalb von 2 Sekunden wurde mir gleich  mit dem Rausschmiss und Eintrittsverbot gedroht! I am sorry!

Trotz (oder wegen) dieser Regeln herrscht ein Andrang, den man als Ruderer nicht gewohnt ist –  laut Internet besuchen im Schnitt pro Tag 50.000 Menschen die Rennen, mit den Höhepunkten  Freitag und Samstag. Hier herrschte wirklich Volksfeststimmung mit Menschenmassen vom  Start bis 500m hinter dem Ziel beim Leander Club. Dass nicht alle dieser Menschen jedes  Rennen gebannt verfolgen, sondern viele stärker auf die soziale Komponente ( auch bekannt als Pimm’s, dem Standardgetränk der Regatta) konzentriert sind, tut der Stimmung keinen Abbruch.

Für wenige Zeit galt es jedoch jeden Tag all dies auszublenden und sich der wichtigsten  Nebensache der Welt zu widmen: Dem Rudern. Ich ging im Einer, dem Diamond Challenge 
Sculls, an den Start. Gott sei dank konnte ich die Qualifikationsregatta auslassen und durfte  direkt im Achtelfinale am Donnerstag in den Bewerb einsteigen. Und wie könnte es anders sein,  durfte ich mich im ersten Rennen gleich gegen A.G. Clack vom erfolgreichsten Sportverein der  Welt und dem Heimverein in Henley messen. Nach einem explosiven Start mit hoher Schlagzahl  meinerseits leistete Leander noch einige hundert Meter Gegenwehr, aber nach einem Drittel des  Rennens konnte ich mich sauber absetzen und das Rennen relativ entspannt zu Ende fahren.  Verdict: 4 ½ Lenghts. In der nächsten Runde wartete dann der Südafrikaner C. Baxter, U23- Weltmeister und Olympiateilnehmer im Männer Zweier auf mich. Gemeinsam mit Christoph Engl legte ich mir hier wieder die Strategie zurecht, den großen Schwergewichtsruderer von  Beginn an unter Druck zu setzen und zu hoffen, dass dessen körperliche Überlegenheit unter den schwierigen Bedingungen nicht geltend werden würde. Leider wurde dem Südafrikaner  dieselbe Marschroute vorgegeben, sodass mein Angriff vom Start weg nicht nur gekontert wurde, sondern sogar übertroffen. In der Folge gelang es mir die ersten zwei Drittel ein wirklich gutes  Rennen zu fahren und den Abstand gering zu halten, im letzten Abschnitt verließen mich in  diesem Dank Gegenwind und Gegenströmung wirklich langem Rennen etwas die Kräfte und C.  Baxter konnte mich mit 3 ¾ Längen Vorsprung besiegen. Als Trost erhielt ich immerhin ein Lob  vom Schiedsrichter meines Rennens, Sir Matthew Pinsent. Sieger der Regatta im Einer wurde  zum bereits fünften Mal und in beeindruckender Manier der amtierende Olympiasieger Oliver  Zeidler. Persönlich bin ich mit meiner Leistung bei der Regatta zufrieden, angesichts der  fehlenden Grundlage aufgrund des Trainingsausfalls von Oktober bis Jänner wäre es vermessen,  mehr zu erwarten.

Aus österreichischer Sicht waren sonst noch ein Männer Doppelzweier und ein Frauen Zweier
am Start, welche jeweils eine Runde überstanden und dann gegen die späteren Sieger  ausschieden. Highlight der Regatta war für uns zweifelsohne das Turnier von Magdalena Lobnig
(VST) – nach längerer Flachwasserabstinenz erreichte sie mit beeindruckender Rudertechnik  und einer echten Willensleistung das Finale, wo sie die britische Dauersiegerin im Frauen Einer  Henry lange fordern konnte. Wirklich beeindruckend!

Ich war zu diesem Zeitpunkt ja bereits nur noch Zuschauer und genoss die einzigartige  Atmosphäre und nutzte die Zeit zum Austausch mit den Schlachtenbummlern Flora und Paul  von unserem Verein (Anastasia Watterston und Clemens Auersperg waren auch ein paar Tage vor Ort, da ich zu diesem Zeitpunkt aber noch ruderte, habe ich sie leider nicht gesehen) sowie einer Armada  von Lia-Schlachtenbummlern unter Führung von dem legendären Ehrenpräsidenten Sandy, dem auch einige der Fotos anbei zu verdanken sind!

Henley Royal Regatta war wirklich eine einzigartige Erfahrung – Danke an den ÖRV für diese
Möglichkeit. Ich werde sicher wieder kommen und dann hoffentlich mit weiteren Wikingern als  SportlerInnen und Fans! Es ist wirklich eine Reise wert.

Konrad